Massnahmen beruflicher Art

Die berufliche Eingliederung ist das zentrale Ziel der IV-Stellen. Die Leistungen in diesem Bereich sind deshalb sehr umfangreich und reichen von Berufsberatung, Arbeitsvermittlung und Beiträgen für Arbeitgebende bis hin zu Kapitalhilfe bei Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Die beruflichen Eingliederungsmassnahmen sollen die körperlich, geistig oder psychisch eingeschränkte Erwerbsfähigkeit wieder herstellen, verbessern oder erhalten. Wenn die gesundheitlichen Probleme die Arbeitsfähigkeit im bisherigen Beruf stark beeinträchtigen, mutet die IV-Stelle der versicherten Person auch eine Umschulung und den Wechsel in einen neuen Aufgabenbereich zu. Der Anspruch auf eine Rente wird erst geprüft, wenn alle Möglichkeiten zur Wiedereingliederung ausgeschöpft wurden.

Anspruch

Um den Anspruch auf berufliche Massnahmen geltend zu machen, muss sich die versicherte Person mittels Formular bei der IV-Stelle ihres Wohnsitzkantons anmelden. Die IV-Stelle kann berufliche Massnahmen bewilligen, nachdem sie die gesetzlichen Voraussetzungen abschliessend geprüft hat. Während der Durchführung von beruflichen Eingliederungsmassnahmen haben versicherte Personen Anrecht auf die Vergütung von Reisekosten. Zudem wird der Anspruch auf Hilfsmittel und Taggelder geprüft.

Mitwirkung der versicherten Person

Die versicherte Person ist gesetzlich dazu verpflichtet, an Eingliederungsmassnahmen aktiv teilzunehmen und alles Zumutbare zum Erhalt ihrer Erwerbsfähigkeit beizutragen. Je stärker sich die versicherte Person um ihre Eingliederung bemüht, desto wirksamer sind die beruflichen Massnahmen. Bei mangelnder Mitwirkungen können Sanktionen ausgesprochen werden (Verweigerung der Rente, des Taggeldes oder anderer Leistungen).

Die beruflichen Massnahmen im Überblick

Der Anspruch auf berufliche Massnahmen wird im Einzelfall geprüft und hängt von der persönlichen Ausgangslage ab.

  • Berufsberatung: Die IV-Stelle prüft den Anspruch auf Berufsberatung bei Jugendlichen mit Behinderungen am Ende der Schulzeit und bei Erwachsenen, die sich aus gesundheitlichen Gründen beruflich neu orientieren müssen.
  • Erstmalige berufliche Ausbildung: Die IV-Stelle übernimmt die Kosten, welche versicherten Personen aufgrund ihrer Invalidität zusätzlich entstehen. Zur erstmaligen beruflichen Ausbildung zählen: die Berufs- oder Anlehre, der Besuch einer Mittel-, Fach- oder Hochschule, eine Ausbildung für Tätigkeiten im Haushalt und die Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte.
  • Umschulung: Die IV-Stellen übernehmen die Kosten für eine Umschulung, wenn die versicherte Person wegen eines bleibenden Gesundheitsschadens ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr oder nur noch teilweise ausführen kann. Dazu gehören auch die Kosten für Verpflegung, Unterkunft und Reise während der Umschulung.
  • Arbeitsvermittlung: Die IV-Stelle verfügt über ein dichtes Beziehungsnetz zu regionalen Arbeitgebenden und können versicherte Personen kompetent bei der Stellensuche unterstützen. Bei Bedarf wird die versicherte Person nach erfolgreicher Vermittlung bei der Einführung am Arbeitsplatz durch eine Fachperson begleitet.
  • Beiträge für Selbständigerwerbende: Sofern eine versicherte Person über die notwendigen Kompetenzen und Eigenschaften für eine selbständige Erwerbstätigkeit verfügt, gewähren die IV-Stellen unter Umständen Kredite in Form von Kapitalhilfen. Eine Unterstützung in dieser Form kann auch erfolgen, wenn die Invalidität eine Umstellung des selbständig geführten Betriebs erfordert.

Wiedereingliederung aus der Rente

Die IV-Stelle überprüft die bestehenden IV-Renten regelmässig und schätzt die Möglichkeiten der Wiedereingliederung der Bezügerinnen und Bezüger neu ein. Zur Abklärung Ihrer Leistungsfähigkeit werden Arbeitsversuche während maximal 180 Tagen durchgeführt. In dieser Zeit wird weiterhin ein IV-Taggeld entrichtet, der Arbeitgeber geht für den Arbeitsversuch kein Arbeitsverhältnis ein und wird somit auch nicht lohnpflichtig. Entsteht aus einem erfolgreichen Arbeitsversuch ein Arbeitsverhältnis, beginnt eine dreijährige Schutzfrist zu laufen, während der bei neuen gesundheitlichen Problemen die IV-Stelle schnell und unkompliziert eingreifen und unterstützen kann. Zudem bleibt der Arbeitnehmer bei seiner bisherigen Pensionskasse angeschlossen. Auch bei der Wiedereingliederung aus der Rente sind die versicherten Personen zur Mitwirkung verpflichtet.